Matthias „Maze“ Meusel (Sticks, Interview 04/2009)
» der Touch des persönlichen beats «

Dieser Mann ist ein Phänomen – ein Working Drummer par excellence, der die gesamte Bandbreite an Styles zwischen Jazz, Crossover, R&B und Pop fest im Griff hat. Nachdem inzwischen sein Debüt Solo Album fertig ist und er die vergangenen drei Jahre ... mit Hut ... auf Extrem-Tour war, kann er sich jetzt entspannt zurücklehnen und über das Schlagzeugspielen mit gesunder Distanz nachdenken. Aufgrund der langjährigen Arbeit als Drummer des Roger Cicero Swinging Big Band Erfolgs-Acts und der enormen Medienpräsenz, wird er nun vorwiegend als Big Band Drummer wahrgenommen - als jemand, der sich ein Standing in der anspruchsvollen Musikwelt aufgebaut hat ...

Trifft diese Einschätzung den Kern deines Momentanzustands?

Ich will nicht sagen es ist falsch, aber es erstaunt mich, dass die Wahrnehmung hauptsächlich über dieses Big Band Ding läuft und man mich in die vermeintlich anspruchsvolle Retro Sparte steckt. Als Big Band Drummer hab ich mich selber nie gesehen und plötzlich wird mein Name mit diesem Thema verbunden. Es kommen vermehrt Anfragen aus ähnlichen Kreisen. Dabei hab ich im Grunde immer auf gut gemachte Musik gestanden. Einerseits ist diese Einschätzung auch verständlich, weil ich die letzten drei Jahre nun wirklich intensiv mit Roger Cicero zu tun hatte und durch die Masse an Menschen, die einen dann sieht, wird schnell die Meinung vom Big Band Drummer kommuniziert. Tatsächlich aber fühlt sich die Roger Cicero Band für mich anders an, weil es Teile dieser Band unter dem Namen After Hours ja schon lange vor dem großen Erfolg gab und ich vor allem immer sehr fleißig an anderen Projekten gearbeitet habe. Allerdings ist das ganze Ding mit Roger unglaublich gewachsen und der Stil der Band Arrangements zu spielen ist in vielen Punkten nicht die traditionelle Art und hat von Show zu Show immer mehr an rockigen Elementen gewonnen. 300 bpm Swing Nummern in einer Arena ... wer macht das schon ... Insofern spiel ich da auch kein klassische Big Band Drumming. Natürlich stört es mich nicht, wenn sich jetzt Anfragen aus dieser Richtung häufen, aber trotzdem hab ich mich immer bemüht auf verschiedenen Baustellen zu arbeiten.

Welche Möglichkeiten nutzt du denn um zu zeigen, dass du auch andere Dinge machst?

Während der Tour hab ich versucht, an jedem möglichen Off Day Gigs zu spielen, die vom Musikstil ausgesucht anders waren, sei es R&B Gigs, Rockplatten oder Konzerte mit meinem Jazz Quartett. Ich brauch die Abwechslung, denn es macht mich fertig, wenn alles gleich ist. Aber Tok Tok Tok hab ich all die Zeit auch noch parallel gemacht. Und jene Akustik Soul Musik ist gegenüber Big Band ja auch eine völlig andere Welt.

Deine letzten Jahre waren nun wirklich zugeballert mit Terminen. Wie gelingt es dir eigentlich, das alles immer passend übereinander zu kriegen?

Wie ein Wunder haben die Tourtermine beider Bands – und es sind ja meine derzeitigen festen Bands - bis auf wenige Ausnahmen immer zueinander gepasst. In der Cicero Tourpause ging's nahtlos über zu Tok Tok Tok mit Proben, Albumproduktion oder Tour. Ich bin wirklich froh, dass ich Tok Tok Tok noch machen kann, weil ich hier den schwarzen Hut mal ablegen kann und nicht jeden Abend solieren muss.

Was hast du gegen Schlagzeugsoli? Das ist doch der Spot des Sideman und der Moment musikalischer Freiheit...?

Ich habe gar nichts gegen Drumsolos, aber ich bin von der Attitüde jemand, der tierisch drauf steht zu begleiten. Ein Schlagzeugsolo ist nur ein Effekt ... ein kurzes Happening. Ich hab das mal gezählt und festgestellt, dass ich letztes Jahr über zweihundert freie Schlagzeugsolos getrommelt hab. Das reicht mir erstmal! Außerdem bin ich kein Stick-Trick Trommler und inszeniere mich auch nicht selbst. So was ist weit entfernt von dem, was ich unter Musikmachen verstehe. Einen Song zu begleiten und ihm durch meine Drum-Arbeit die Chance zu geben, dass er die Leute berührt – das ist es worauf es mir ankommt.

Worin liegt das Geheimnis eines Swing Grooves verborgen? Ist es in der Beckenfigur begründet?

Ich habe kein so richtiges Geheimnis, ausser, daß ich das immer so gespielt habe, wie ich es eben dachte, daß es richtig ist.
Tsching Tsching Ka Tsching an sich ist erstmal keine schwere Figur. Mir ist aber immer wichtig gewesen, daß Tsching Tsching Tsching Tsching - also alle vier Beats, die weitaus wichtigere Figur ist. Daran hängt der Groove und damit auch der Swing.
Wenn die Viertel anfangen zu swingen ist für den Groove alles getan. Ob das, was darüber hinausgeht noch wichtig ist, entscheidet vielleicht der Geschmack oder die Musik mit ihren speziellen Anforderungen, aber der Swing sollte auf dieser Ebene schon da sein.
Ohne Viertel, die tight und rund sind wird's immer schwer - nicht nur für die Noten dazwischen, sondern auch für die Mitmusiker.

Momentan sind beide Acts – Cicero und Tok Tok Tok – ja in der Ruhephase und sogleich hast du dir den Terminkalender mit Studio Sessions zugebucht. Wäre nicht eine Phase der künstlerischen Regenaration auch mal gut?

Nach drei Jahren waren die letzten Tourwochen musikalisch zwar immer noch angenehm, aber die Reiserei hat schon ganz schön an den Kräften gezehrt. Man muß es mit der Familie übereinander bringen ... und es war an der Zeit, damit Pause zu machen. Studio dagegen ist sehr relaxed. Ich liebe es in dieser Welt zu arbeiten, in der man etwas Kreatives schafft, was von bleibendem Wert ist. Außerdem hat man Zeit und muß nicht gleich die Koffer wieder packen. Momentan ist es zwar kein Urlaub, aber ich bin in genau jener Situation, nach der man sich auf Tour immer sehnt. Und nach einer längeren Studiophase ist es auch wieder geil auf die Bühne zu gehen. So freu ich mich jetzt schon auf vereinzelte Tok Tok Tok Gigs, die wir demnächst in Brasilien und in Israel spielen werden.

Früher hat man immer davon geträumt auf Tour zu gehen, die Welt zu erleben und auf großen Bühnen zu stehen. Die Realität aber sieht nun doch etwas anders aus ...?

Als lonesome Drummer und als Single würde ich auch auf die Kacke hauen .... Rock'n Roll wie man sich das so vorstellt. Aber neben der Familie darf man auch nicht das Business aus den Augen verlieren. Schlagzeugspielen ist mein Beruf und da bekommen die Dinge auch eine gewisse Ernsthaftigkeit. Wenn man auf der Bühne sitzt, dann ist das der große Moment des Tages. Das macht süchtig und deswegen macht man's immer wieder. Aber das ganze drumherum, die Abenteuer des Touralltags - das findet man nur eine bestimme Zeit richtig geil. Du mußt bedenken, dass man monatelang oder wie ich drei Jahre unterwegs ist. Eine große Zeit verbringt man im Tourbus und da braucht man Gesprächspartner. Nun gut ... bei einer Big Band ist die Auswahl groß, aber in einer Vierer Band ... monate unterwegs .. das kann auch schon mal mühsam werden. Und dieses eine große Glücksgefühl des Tages ist abends auf der Bühne zu stehen. Das ist schon recht strange. Man muß sich bemühen die restliche Zeit vernünftig für sich zu gestalten. Das ist extrem wichtig, aber auch extrem schwierig, denn man bemerkt oft gar nicht, wie sich alles rundherum verändert, weil man auf Tour wie in einer kleinen Blase unterwegs ist. Es ist zwar immer Action, immer alles neu, neue Städte, andere Loations, Leute ... aber der Blickwinkel für das Leben außerhalb der Tourblase geht verloren. Und hier die Balance zu finden – das lernt man erst mit der Zeit. Realität ist ja nicht immer das was man sieht – schon gar nicht im Tourbus.

Mit welchen Ohren hörst du Musik privat?

Man entwickelt natürlich einen anderen Bezug dazu und zuhause leg ich bestimmt nicht gleich eine CD in den Player. Vielmehr gehe ich selektiv mit Musik um, höre sie bewußt und lass mich nicht einfach nur berieseln. Darüber hinaus hör ich aber seit Ewigkeiten R&B Sachen, Phili Sounds, Roots, die letzte Al Green Platte ... James Taylor und nach wie vor Beatles. Musik höre ich aber nicht wegen der Drummer, sondern wegen der großen Songs.

Du bist kein analytischer Hörer?

Nicht in erster Instanz. Wenn mich ein Song gepackt hat, dann interessiert es mich schon, warum der einen abholt. Ob es die Hook ist, der Text, oder die Drums. Und wenn es das Schlagzeug ist, will ich auch wissen wie es gemacht ist. Tatsächlich aber ist das Schlagzeug ja nur eine Komponente des Gesamten - und Drums wirken in dem Moment, weil sie in einem musikalischen Kontext stehen ... es ist das Feeling von Musik und die Essenz der gemeinsamen Arbeit verschiedener kreativer Geister. Musik ist nichts für alleine. Das eigene Feel lebt nur durch das Feel des Mitmusikers. Ich bin auch nicht gerne alleine im Proberaum. Das fand ich immer unbefriedigend.

Gibt es eigentlich DEN perfekten Drumgroove?

Schwierig. Für jeden ist der perfekte Groove ein anderer und das hat immer auch ganz viel damit zu tun, was man gerade so für Musik hört und wie breit der Musikgeschmack gefächert ist. Ich stehe auf so unfassbar viel unterschiedliche Musik und mich können viele Sachen begeistern - das halte ich übrigens für DAS offene Geheimnis. Jeder der Musik machen will, kommt über das hören dazu. Groove ist kein Geheimnis ... es ist ein Gefühl. Und ich unterstelle mal, daß jeder der Musik macht, vor allem wegen dieses Gefühls angefangen hat. Meiner Meinung nach ist allerding DER Monstergroove immer eine Gruppenleistung. Der Drummer trägt nicht mehr dazu bei, als auch der Gitarrist, der Bassist oder der Keyboarder. Ich finde es immer erstaunlich, wie schlecht es plötzlich klingen kann, wenn nur ein Element im Gefüge nicht am Start ist. Das hat mit musikalischem Verständnis, Erfahrung und gesundem Ego zu tun. Deshalb ist die Sache auch so magisch, weil es darauf ankommt, zusammen dasselbe zu wollen. Das ist ja schon im normalen Leben nicht gerade einfach. Aber wenn's dann doch passiert, ist das einfach das Größte. Im normalen leben wird dann geheiratet ... (lacht).

Warum machst du das eigentlich mit dem Schlagzeugspielen? Welche Motivation steckt dahinter?

Ich glaube, dass man sich das Instrument nicht aussuchen kann. Es ist eine Berufung, die man erkennen muß. Eine Fügung, die einem das Bewußtsein gibt genau da einzusteigen und in die Tiefe zu gehen, ohne dabei über Pflichterfüllung oder Arbeit nachzudenken. Um das umzusetzen, was ich musikalisch wirklich fühle, dazu brauch ich das Schlagzeug. Auf anderen Instrumenten gelingt mir das nicht. Ich habs ausprobiert und wollte auch immer gerne Bassist sein. Aber es ist nicht meine Fügung. Nur mit der Trommel gelingt es mir Leidenschaft und innere Motive zu transportieren. Das Schlagzeug ist ein ungefiltertes Instrument, was von seiner Unmittelbarkeit lebt. Man schlägt zwei Beats und sofort ist ein Puls da. In dieser Faszination liegen vielleicht auch die Wurzeln der eigenen Anfänge und die Erklärung, warum man das jetzt in richtig machen will. Damals war es das selbstgebaute Schlagzeug eines 7jährigen, der sich noch ein Pedal wünschte, um weiterzukommen. Das Gefühl damals war ausschlaggebend. Ich hab mir Musikkassetten aufgenommen und dazu getrommelt. Stundenlang. Ich hatte keine Ahnung von Technik und Time. Es war einfach das Gefühl total glücklich und erfüllt zu sein, wenn ich zu diesen Kassetten trommelte. Sich dieses ursprüngliche Gefühl zu erhalten, damit es einen viele Jahre später noch umgibt, das ist ein großes Ziel und die Antriebfsfeder auch nach Jahren noch die Wahrhaftigkeit zu spüren. Im Studio oder auf der Bühne. Und dann ist es egal wieviele Leute in der Halle sind oder wie gut sich eine Patte verkauft. Mir geht’s nur um Musik. Deswegen fängt man damit an. Keiner wird Schlagzeuger in der Überzeugung einen sicheren Kohlejob zu ergreifen.

Um sich als Schlagzeuger ein Profil zu verschaffen, ist die Frage von Sound nicht unerheblich. Man muß sich auch immer wieder neuen Situationen anpassen. Hast du diesbezüglich einiges ausgecheckt?

Ich hab ständig an Sounds gearbeitet. Natülich muß man die Musik auch entschlüsseln und ihr genau zuhören, denn sie liefert oftmals exakte Vorgaben, welche Art von Sounds in Frage kommen. Sie befiehlt quasi den Sound. Auf der anderen Seite hat man als Schlagzeuger wiederum enormen Einfluß auf den Gesamtsound. Wenn du denselben Groove spielst und mal nur die Hi-Hat Becken gegen andere tauschst, oder die Bassdrum hochstimmst, dann entwickelt sich für die Musik ein völlig anderes Klangkonzept ... so als hätte sie eine andere Wurzel. Schon alleine die Snaredrum bietet ja die Möglichkeit drei unterschiedliche Sounds zu produzieren, ohne dass ich sie umstimme. Je nachdem wo ich sie anspiele ... man muß dann nur konsequent dabei bleiben ... und etwas Zielwasser trinken ... (lacht). Schlagzeugsound in der heutigen Zeit hat einen wesentlich höheren Stellenwert weil die Messlatte durch Millionen von Loops, Plugins und virtuellen Drummaschienen so hoch ist. Drums werden heute effektiver eingesetzt, um das Gesamtkonzept zu beschreiben. Die Bandbreite an Grooves und Sounds heute ist riesig. Und man ist gezwungen kreativ zu sein, weil hier das Charisma eines Schlagzeugers erkennbar wird. Und ohne das ist es schwierig sich zu etablieren.

Nun hast du nach langer Livedrummer Phase ein Studio und Recording Jahr vor dir. Gilt auch hier das Charisma von Kreativität und Sound?

Es hat einen Grund, warum man einen Schlagzeuger holt und nicht die Maschine anschmeißt. Im Studio kommts drauf an etwas zu kreieren, was der Loop nicht transportieren kann. Das hat nichts mit tightem Spiel zu tun, sondern es ist die menschliche Komponente ... es entstehen Sounds und Grooves, die individuell sind. Allerdings muß man soundmäßig auch was im Angebot haben. Und ich finde es schwierig zum Studiojob zu fahren und nur zwei Snares dabei zu haben ... oder nur mit einer Bassdrum anzurücken. Das funktioniert für mich überhaupt nicht. Es darf nicht sein, dass man ins Studio fährt, sich das Playback anhört und denkt ... scheiße .. jetzt bräuchte ich diese eine kleine Snare, aber die hab ich leider zuhause gelassen. Deswegen hängt mein Auto voll auf der Achse wenn ich zum Recording Job fahre.

Zehn Bassdrums im Auto...?

Nein, natürlich nicht ...(lacht) ...aber zwei, drei von denen man weiß, dass sie soweit variabel sind, dass man sie zurechtschrauben kann. Es gibt genügend Tricks aus einer Bassdrum zehn zu machen ... Fellkombinationen, hoch stimmen, tief stimmen, dämpfen, Schlägel, offen lassen usw. Ich nehme meistens drei Bassdrums mit ins Studio, die sind alle aus derselben Serie, aus demselben Holz und es ist so, als hätte ich mir auf der Midi Tastatur eine Reihe meiner Lieblings Bassdrumsounds zurecht gelegt.

Du bist ein Fan großer Bassdrums?

Ich habe die 24er Bassdrum nicht, weil ich die unendlichen Tiefen zu jeder Zeit brauche. Sie ist oft eher hoch gestimmt. Dadurch hat sie einen tollen Attack und ich kann trotz der Größe mit ihr auch noch Tempo machen. Es fühlt sich an, als würde man auf einer kleinen spielen, aber man hat trotzdem noch mehr Bassvolumen als bei einer 22er. Bei Club Gigs mit einer funky Band reicht mir auch eine 18er Kick. Die macht man schön tief und niemand vermisst den Druck. Was ich an großen Bassdrums auch liebe ist die Tasache, dass das Set tierisch weit auseinanderrückt. Ich steh auch auf große Standtoms und die Becken sind dann unendlich weit weg. Da spielt man keine Note mehr zuviel. Und ich mag sparsames Spiel ... richtige Beats im richtigen Moment.

Spielst du das Pedal mit aufgesetztem Fuß oder mit Fußspitze? Gerade bei stark gespannten 24er Kicks entwickeln sich ja gerne Rebounds...?

Mit Fußspitze ... der Schlegel bleibt im Fell. Es sei denn, die Musik braucht den offenen Sound. Dann muß der Schlägel weg. Aber in jedem Fall wird's ab 24“ Größe Arbeit. Entweder du hast den Rebound beim stark gespannten Fell oder du hast so wenig Spannung drauf, dass du meinst der Schlägel bleibt in der Trommel stecken. Da muß man durch. Auf der ersten Roger Cicero Tour hatte ich anfangs eine 28er Bassdrum – vorher leichtsinnigerweise aber nicht richtig ausprobiert, wie sie sich anfühlt. Und das war hart. Die mußte ich mir erkämfen ... (lacht).

Inwieweit ist die Frage von Equipment ausschlaggebend für Klanggestaltung?

Bei jedem Drummer gibt es unterschiedliche Beweggründe, warum er dieses oder jenes Schlagzeug spielt. Tama hat für mich den Vorteil, dass diese Drums auf der Welt extem präsent sind. Und das ist bei meiner vielen Tourerei ein ungeheurer Luxus zu wissen, dass ich jederzeit im Ernstfall immer an Equipment rankomme. Sound ist natürlich auch eine Frage des Spielers selber, trotzdem spielt auch das Equipment eine Rolle dabei. Jeder baut ja auch eine persönliche Verbindung zu seinem Instrument auf. Und gerade Tama Sachen sind für mich im Studio tierisch leicht zu handhaben. Die Snares verfügen zum Beispiel in meinen Ohren über einen gewissen vorkomprimierten Touch. Das ist insofern von Vorteil, weil ich im Studio oft keine zu große Dynamikrange haben will – vor allem bei Popproduktionen nicht. Und das Set ist unendlich leicht und schnell zu stimmen. Gerade wenn man Sounds im Studio ausprobiert brauch ich nicht stundenlang das ganze Kit umzustimmen. Das geht in wenigen Minuten. Das Kit hat etwas intuitives. Und ich hatte schon Drums in meinen Fingern, da hab ich mir den Wolf dran gestimmt und es wollte trotzdem nicht werden. Ich spiel das Tama Set jetzt seit anderthalb Jahre und bin total zufrieden.

Warum spielst Du Wood Hoops auf der Snaredrum?

Weil Rimshots lauter kommen, gleichzeitig aber auch einen wärmeren Sound haben, den ich persönlich sehr mag. Sidestick-Sounds mit normalen Rims sind mir speziell im Studio meist zu leise. Und gerade auf Holzsnares saufen mir die im Verhältnis zur geschlagenen Snare zu sehr ab. Mit den Woodhoops gleicht sich die Lautstärke der Sounds besser an. Insofern benutze auf vielen meiner Haupt-Snares im Studio sowie live diese Rims.

Inwieweit arbeitest mit unterschiedlichen Fellkombinationen? Unterscheidest du zwischen live und Studio?

Tu ich. Live benutze ich Emperor Felle, was mit Haltbarkeit und Langlebigkeit zu tun hat. Und so groß ist der Unterschied beim Gig in einer großen Halle zu einschichtign Fellen nicht. Ob Emperor oder Ambassador ... das hört vorne kein Schwein. Das wird vom FOH sowieso homogen getunt, das es für den Gig gut lingt. Im Studio benutze ich meistens die Remo Klassiker, weil ich mich jahrelang an sie gewöhnt habe und weiß wie sie reagieren. Auch die Fiberskyn Sachen find ich gut. Ich steh auf dunkle Drumsunds. Und das geht mit dicken Fellen am besten.

Du bist ein Fan von dezent klingenden Becken, mild, edel im Charakter, oder?

Ich mag große Becken ... voluminös und gerne auch schmutzig. Das sind auch meist die Becken, die ich als erste aufziehe, wenn ich mein Set im Studio aufstelle. Beckensounds sind ja genauso prägend für den Sound einer Aufnahme, wie der Sound einer Snare oder der einer Bassdrum. Speziell im Studio ist meine Beckenauswahl riesig, weil ich ja oft nicht weiß, was mich beim nächsten Song erwartet. Und seitdem ich bei Meinl bin, ist meine Palette an Sounds und Größen nochmal gigantisch gewachsen.

Auch wenn du große Trommeln und tiefe Sounds bevorzugst, so sind deine Setups eher überschaubar konzipiert ... Bassdrum, Snare, zwei Toms, drei Becken ... das war's...?

Wenn es etwas gibt, was ich in der Musik nicht vermisse, dann sind das Toms. In meinem musikalischen Konext brauch ich das nicht. Lieber nehm ich eine Fellauswahl mit, um soundmäßig fexibel zu sein. Ich bin ja mit den Beatles Platten vom Dachboden aufgewachsen und sowas färbt sich ab. Da gab's kein Verlangen nach Toms und selten mal hab ich eine zweite Snare im Set dabei.
Die Spielastetik steht ja immer auch im Zusammenhang mit Deinem Setup und hat direkten Einfluss auf das Spiel. Keep it simple – das ein oft gehörter Satz. Mit einem kleinen Kit verliert man das auch nicht aus den Augen. Mein Setup muß mich allerdings nicht wirklich zu dieser Premisse zwingen – ich habe schon immer leidenschaftlich gerne nur die wichtigen Noten gespielt...

Leidenschaft ist ein zentrales Thema, wenns darum geht eine eigene Platte zu machen. Du hast dein Debüt Album „Maze feat. Rool: Doubleplatinum“ gerade fertig gestellt. Was erwartet uns?

Keine Drummers Platte, sondern Instrumentalmusik mit edlen Sounds, R&B, Groovemusik, hookige und schöne Themen auf der Rool am Saxophon gefeatured ist . Über einen Zeitraum von sechs Jahren hab ich immer wieder daran gearbeitet. Und das alles ist ohne Druck entstanden. Im Oktober 2008 war dann der finale Mischtermin, doch weil die allerersten Ideen und die letzten Recordings sechs Jahre auseinander lagen, hat sich die Vision des geamten Klangkonzepts inzwischen geändert. Am Abend vor den Mixings wußte ich, dass das komplette Schlagzeug neu gespielt werden mußte. An einem Tag hab ich alle Tracks neu eingespielt – aber diesmal ultra leise und mit einer speziellen Mikrofonierung, auch wenn's keine Flüsterplatte werden sollte. Ich wollte die Drums im Mix sehr close und laut haben, so als wär die Snare direkt vorm Auge. Und genau so ist's dann geworden. Jetzt such ich nur noch das geeignete Label, um sie zu veröffentlichen.

Und damit hast du deine Credits um ein weitere edle Perle erweitert ...?

Das eigene Album ist natürlich was ganz Besonderes und ich kanns kaum erwarten damit loszufahren.
Diese Arbeit in diesem Rahmen machen zu können ist ein riesen Privileg und ich bin jeden Tag wieder dankbar, dass das alles ist wie es ist.
Einfach Hammer....

Tama Starclassic B/B Hyper Drive

Set 1:
24“ x 18“ Bassdrum
14“ x 6“ Snaredrum (Bubinga, Woodhoops)
12“ x 7“ Racktom
14“ x 14“ Floortom
16“ x 16“ Floortom
18“ x 16“ Floortom
Set 2:
18“ x 14“ Bassdrum
14“ x 5“ Snarrdrum (Woodhoops)
12“ x 7“ Racktom
14“ x 14“ Floortom
16“ x 14“ Floortom
Meinl Cymbals
14“ Byzance Jazz Thin Hi-Hat
22“ Special Rdy Ride
20“ Medium Thin Crash
20“ Byzance Sweet Light Jazz Ride
19“ Byzance Medium Crash
22“ Byzance China Ride
Meinl Percussion
Tama Drumsticks
Protection Racket Cases

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Interview Matthias Meusel
www.jazzdrummerworld.com 07.2008

Der deutsche Schlagzeuger Matthias “Maze” Meusel ist bei vielen bekannt als der Schlagzeuger der Roger Cicero Big Band, wo er für den grandiosen Swing und Groove der Band zuständig ist. Seine Grooves sind kraftvoll, vielseitig und sie bleiben einem im Ohr. jazzdrummerworld hatte die Gelegenheit mit dem sympathischen Drummer ein Interview zu führen. Hier sprach Matthias über seine Projekte, seine Arbeit als Musiker und vieles mehr.

JDW: Matthias du bist bei diversen Projekten mit dabei, unter anderem kennt man dich als Schlagzeuger von der Roger Cicero Band. Aber nicht nur hier bist du voll dabei, bei welchen Projekten wirkst du noch mit?

MM: Für andere feste Projekte bleibt natürlich nicht viel Zeit neben Roger. Regelmäßig und jetzt seit drei Jahren bin ich aber immer wieder mit Tok Tok Tok auf Tour und im Studio. Das ist ein mir sehr wichtiges Kontrastprogramm. Sowohl musikalisch als auch vom ganzen Drumherum. Eine Band, die sich alles selbst erarbeitet hat und die sich jeden Erfolg ganz auf die eigene Fahne schreiben kann, ohne eine Maschinerie dahinter. “After Hours” ist das Jazzquartett mit dem ich schon ganz, ganz lange zusammen spiele und was mir nach wie vor sehr wichtig ist. Roger Cicero ist –lange bevor es für ihn so abging – als Sänger für unser erstes Album “There I go” dabei gewesen und wir sind mit ihm zusammen viel unterwegs gewesen. Das Quartett ist heute “the Band in the Band” in der Roger Cicero BigBand. Das ist für uns natürlich ein riesen Glück, mit einer eingespielten und gewachsenen Band unterwegs zu sein – auch wenn wir gerade nicht unsere eigenen Sachen machen können. Allerdings planen wir gerade ein neues Album und wir sind gespannt, wohin die Reise gehen wird. Ansonsten spiele ich zur Zeit sehr viele Studiojobs für diverse Künstler. Gerade war ich für Tom Gäbel im Studio und spiele die nächste Zeit wieder mit Tok Tok Tok Konzerte auf Festivals. Zwischendurch sind auch Gigs mit Till Brönner oder Jan Delay dabei gewesen dieses Jahr. Zur Zeit ist das alles extrem abwechslungsreich und macht unglaublich Spaß.

JDW: Du hast an der der Hochschule für Musik und Theater in Hannover studiert. Wie hast du diese Zeit dort empfunden und wie stehst du persönlich zu solch einem Studium? Denkst du, dass es eine Grundvoraussetzung ist damit man als Musiker Erfolg oder Anerkennung bekommt?

MM: Nein – das sehe ich nicht so. Ich würde auch nicht sagen, dass zwangsläufig das Gegenteil der Fall ist, aber mich hat nie jemand gefragt, ob ich studiert habe, bevor ich irgendeinen Gig bekommen habe. Es gefällt wie Du spielst oder eben nicht. Wenn Du durch ein Studium gelernt hast, so zu spielen, dass es Dir nachher hilft, dann ist das gut. Wenn es Dir geholfen hat auf anderen, wie auch immer gearteten Wegen dazu zu kommen – auch gut. Das gilt jedenfalls für alle, die auf dem freien Markt arbeiten wollen. Gerade in Deutschland brauchst Du an allen Ecken nen Schein, wenn Du eine Laufbahn an einer Hochschule oder einer staatlichen Musikschule machen willst. Da ist es einfach Voraussetzung studiert zu haben. Aber das ist nichts was ich als Anerkennung im eigentlichen Sinn bezeichnen würde. Eher Mittel zum Zweck. Wer spielen will, hat das in der Geschichte doch immer auf der Bühne gelernt und hat auch da dann die Anerkennung bekommen. Ein Studium schadet natürlich nicht und ich rate niemandem davon ab. Aber keine Schule nimmt Dir die Erfahrung ab, die Du draußen machen musst.

JDW: Wie siehst du persönlich die Arbeit bzw. den Beruf als Schlagzeuger? Ist es schwierig an geeignete Jobs - wovon man auch leben kann - zu kommen, gerade auch in Deutschland, oder hattest du bis jetzt nie solche Probleme?

MM: Jeder hat Phasen, in denen es mal schwierig ist. Das sind nicht immer gleich Krisen und man gewinnt ja mit der Zeit und der Erfahrung auch Vertrauen in die Zukunft. Das ist eigentlich gar nichts Spezielles, nur weil man nun Schlagzeuger ist. Das geht jedem Selbstständigen so. Ob
als Maler, Friseur oder eben Musiker. Das ist in Deutschland so wie überall auf der Welt. Ich denke, das wichtigste ist eine positive Einstellung zum Leben und eine gewisse Gelassenheit. Es ist nicht jeder Gig der geilste Deines Lebens. Aber es kann trotzdem vieles sehr wichtig sein, um
sich zu entwickeln, neue Kontakte zu knüpfen, sich inspirieren zu lassen oder einfach Geld zu verdienen. All das hat ja seine Berechtigung. Wenn man sich selbst auch begeistern kann, ist das eine gute Voraussetzung dafür, dass man nicht ständig über das nachdenkt, was man NOCH
nicht erreicht hat. Es kommt auch auf Deine eigene Erwartung an. Wenn Du Dir selbst immer nur gut genug bist, wenn Du die Nummer eins bist, wirst Du nie zufrieden sein. Es gibt keine Nummer eins. Du bist der Richtige mit dem richtigen Style, dem richtigen Sound, der richtigen Frisur am richtigen Ort, zur richtigen Zeit und Du hast vielleicht den Gig Deines Lebens. Aber das alles hat so viele Variablen, dass man es natürlich oft einfach Glück nennen muss, wenn es dann funktioniert. Natürlich macht man seine Hausaufgaben, ist pünktlich, ist vorbereitet; vielleicht gehst Du auch an Orte, wo mehr passieren kann für Dich, aber letztlich bist Du es nie allein, der entscheidet, ob es funktioniert. Ich bin sehr sehr dankbar, dass ich als Musiker leben kann und meine Familie noch dazu. Das ist keine Selbstverständlichkeit und ich habe regelmäßig Momente, in denen
mich das auch mit einer gewissen Demut erfüllt. Es ist ein Geschenk – auch wenn ich wirklich hart dafür arbeite.

JDW: Welche Ziele verfolgst du als Musiker persönlich? Gibt es Dinge, welche du unbedingt einmal noch machen möchtest?

MM: Ich will unbedingt meine eigene Band machen und meine eigene Platte und auch damit auf die Straße. Ich war lange nicht so weit, um das ernsthaft anzugehen. Aber seit einiger Zeit wird der Wunsch immer stärker in mir und ich werde versuchen im kommenden Jahr mal loszulegen. Ich war immer Sideman und ich genieße das auch. Aber irgendwie habe ich nach all der Zeit Lust, mal mein ganz eigenes Ding zu machen.

JDW: Wie sieht dein Equipment aus und wie wichtig ist dir das eigene Equipment?

MM: Ich würde Equipment nicht überbewerten, aber es ist mir schon sehr wichtig. Ich bin jetzt seit einem Jahr bei Tama und Meinl und bin wirklich sehr zufrieden. Mir ist wichtig, im Studio so variabel und vielseitig wie nur irgend möglich sein zu können. Das heißt nicht nur, dass man genug Equipment hat, sondern auch, dass die Sachen leicht zu händeln sind. Das Trommeln schnell zu stimmen sind, flexibel sind und in allen musikalischen Situationen überzeugen. Der Spagat von Punk zu Jazz ist ja nun mal nicht gerade klein. Ich steh drauf, in der jeweiligen Situation, den amtlichen Sound zu haben und nicht einen, der irgendwie nur ein bisschen so klingt. Dafür brauchst Du einfach viele verschiedene Snares, Becken und auch alle möglichen Bassdrums. Zur Zeit spiele ich allerdings fast alles mit einer 24" Starclassic B/B Bassdrum, die einfach unglaublich geil ist. Der Aufbau und das genaue Setup variiert aber immer und hängt natürlich ganz an der Musik, die ich gerade spiele.

JDW: Nicht unbekannt ist auch dein Groove, womit du in Bands wie “Tok Tok Tok” und anderen, dafür sorgst, dass richtig die Post abgeht, aber immer auch, dass die Drums bestens die Musik unterstützten. Wie gehst du an Grooves heran und was denkst du, was macht einen guten Groove aus?

MM: Ein guter Groove bringt den Song nach vorne und sorgt dafür, dass jeder, der mit Dir spielt gut klingt. Das ist die Aufgabe. Alles worum es –jedenfalls mir- beim Schlagzeug überhaupt geht.

JDW: In welcher Musik fühlst du dich am wohlsten oder anders gefragt, gibt es Musik die du mehr magst und wo auch deine Vorlieben sind?

MM: Das ändert sich viel zu oft, um es Vorlieben zu nennen. Es gibt einfach gut gemachte Musik und schlecht gemachte Musik. Meine Vorliebe ist jedenfalls die gut gemachte Musik. Mehr kann ich da gar nicht sagen.

JDW: Wenn man deinen Terminplan sieht, bist du sehr viel Unterwegs und hast demnach viel zu tun! Bist du gerne auf Tour?

MM: Ich bin sehr gerne auf Tour und ich kann nicht sagen, dass ich davon zu wenig gehabt hätte die letzten Jahre. Allerdings gestaltet sich das Thema natürlich etwas anders, seit ich Familie habe und deshalb auch wirklich gerne zu Hause bin. Das ist die Kehrseite, die jeder mit
in Kauf nehmen muss und die mir wirklich was abverlangt. Trotzdem würde ich’s nicht anders wollen.

JDW: Wenn du am Schlagzeug übst, was ist dir da wichtig, an welchen Sachen arbeitest du gerne?

MM: Ich habe leider sehr wenig Zeit zu üben. Ich übe nicht sehr gerne Technik, sondern analysiere Feels und Grooves. Viel Musik hören und wirklich verinnerlichen, was da passiert. Für mich hat alles mit der Musik angefangen und deshalb beschäftigt mich auch heut noch immer
eher das ganzheitlich Musikalische und viel weniger nur das Drumset. Für mich ist so gesehen auch üben, wenn ich mich mit ner neuen CD auf die Terrasse setze und sie mir 4 mal anhöre, ohne etwas anderes dabei zu tun.

JDW: Wie sieht es mit eigenen Projekten aus? Bleibt dir da die Zeit dafür oder hättest manchmal gerne mehr Zeit für deine eigenen Ideen und Projekten?

MM: Die eigenen Projekte kommen ja alle noch – wart’s ab :-)

JDW: Gibt es abschliessende Worte, die du gerne der Schlagzeuger Welt mitteilen möchtest?

MM: Nehmt’s nicht alles so wichtig – am Ende des Tages ist es doch alles nur Musik.

JDW: Herzlichen Dank für dieses Gespräch Maze und weiterhin viel Erfolg wünscht dir jazzdrummerworld!

-> Das Interview auf jazzdrummerworld.com

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Drums & Percussion 02/2008Drums & Percussion 02/2008
Interview

Matthias »Maze« Meusel
Die Effektivität des Einfachen!
Er spielt Jazz, Punk, Funk, Big Band Musik oder auch schon mal Schlager und überall beeindruckt er mit seinem typischen Groove, bei dem der ein oder andere Schlag weniger, eben die Effektivität des Spiels ausmacht.

Matthias »Maze« Meusel befindet sich gerade in einer enormen Hochphase in seinem Leben. Er hat eine Frau und ein Baby, trommelt in der Roger Cicero Band und bei Tok Tok Tok, bereitet sein erstes Soloalbum vor und kämpft in erster Linie mit einem übervollen Terminkalender, wie ihn sich viele Kollegen vielleicht wünschen würden. Wir trafen ihn beim Konzert in Köln, von dem Roger Cicero sagte:”Was gibt es Schöneres als einmal in der Kölnarena zu spielen? Zweimal vor vollem Haus auftreten zu können in wenigen Monaten.” Aber nervös macht das eine so eingespielte Truppe kaum noch. Die ist eingespielt, groovt und swingt auf Teufel komm raus und wird angetrieben von eben jenem Maze Meusel, unserem Interviewpartner.

Ihr habt im letzten Jahr Deutschland beim Grand Prix de Eurovision vertreten. Eine so gute Band auf einem dermaßen in die Kritik geratenen Wettbewerb, was empfindet man da?

»Das war einfach skurril aus meiner Sicht. Das ist eine komplett eigene, unwirkliche Plastikwelt in die man da gerät und mit unserer Swingmusik hatten wir meiner Meinung nach eigentlich nie eine wirkliche Chance. Auch wenn wir die ganze Woche, die wir da waren, beste Kritiken hatten, war mir klar, dass wir nicht von Ländern Punkte bekommen, die so ganz andere Musik als in den Wettbewerb geschickt haben in ihren jeweiligen Vorentscheiden.
Da geht es sicherlich nicht wirklich um Musik. Aber ein Spaß war es trotzdem!

Also beenden wir dieses Thema hier und gehen zur Roger Cicero Band über, wie bist du dazu gekommen?

»Die Band gab es ja bereits vorher, als das Quartett »After Hours« und das waren die Rhythmusgruppe mit Lutz Krajenski (p), Hervé Jeanne (b) und der Tenorsaxophonist Stefan Abel. Zudem existierte in Hannover das Salonorchester Linden Mitte, im Prinzip die gleiche Band, die umarrangierte Standards spielte –schon damals mit Roger als Sänger. Später hat Roger dann einen Vertrag bekommen, wurde Komponisten vorgestellt und da war klar, daß wir als Band weitermachen würden, da wir zum einen super eingespielt waren und uns zudem auch menschlich gut verstanden, was ja nicht ganz unwichtig ist. So hat alles angefangen und der Erfolg stellte sich recht zügig ein, was natürlich super ist. ‘

Sprich die Big Band vorher war eher so ein Spass-Side-Projekt?

»Na ja, zum leben hätte es damals nie gereicht, da wir auch nur wenige Gigs in Niedersachsen gespielt haben und man ohne Namen nie die Gage bekommt, die notwendig wären um ein solches Projekt am Leben zu erhalten. ‘

Verstehst du dich heute als Big Band Drummer oder wo würdest du dich einordnen?

»Ich habe immer gerne Big Bands gehört und spiele die Musik auch gerne aber dennoch würde ich mich bis heute nicht als Big Band Drummer betrachten. Ich sehe mich in erster Linie als Musiker, denn die Musik ist es schließlich das, worum es geht. Wenn mich jemand als Schlagzeuger bezeichnet trifft das sicherlich nur einen Punkt von mir, mir reicht die Bezeichnung jedenfalls nicht aus. Ich versuche immer mich möglichst vielseitig einzubringen, sowohl bei einer Produktion im Studio als auch live auf der Bühne.
Musik ist ein Gemeinschaftsprodukt und deshalb bin ich offen für jegliche Einflüsse. Wenn einem etwas nicht passt, kann man ja mit mir sprechen. Mein Ego ist nicht so ausgeprägt, daß ich nicht zuhöre, damit habe ich keinerlei Probleme. Hauptsache, es kommt am Ende was bei raus, das ich mir im günstigsten Fall auch selber anhören würde. ‘

Wieviel Freiheiten geniesst du denn bei Cicero oder auch Tok Tok Tok?

»Bei Roger Cicero sehr viel –natürlich in dem Rahmen, den eine BigBand bietet; da die Rhythmusgruppe bereits zehn Jahre zusammenarbeitet und sich blind versteht. Unser Arrangeur schreibt ja speziell für uns und weiß zu was wir im Stande sind. Natürlich sollte man es nicht übertreiben, denn schließlich spielen wir ja fürs Publikum und nicht für uns selbst. Ich betrachte mich ohnehin als songdienlichen Drummer, der alles für die Musik gibt, das ist mir wichtig. Bei Tok Tok Tok war es ganz anders, weil es ja vorher gar kein Schlagzeug in der Band gab, Morten Klein eher Mouth Percussion nutze ---. Da muss man sich dann in ein Projekt einfügen und das hat hervorragend geklappt und mittlerweile habe ich sowohl Alben mit -- eingespielt als auch einige Tourneen bestritten. über die Jahre habe ich -- reichlich Erfahrung gesammelt in allen möglichen Stilistiken. Ich habe mit Right said Fred gearbeitet -- mit Nena, ---mit Mousse T., oder mit Reinhard Mey und Bill Ramsey, wo überall sehr unterschiedliche Dinge gefragt waren. Im Prinzip bin ich ein Dienstleister in Sachen Musik und Groove, auch wenn ich das Wort Dienstleister nicht besonders mag. Der Musik das zu geben was sie braucht, das ist es worums mir geht. Mit wenigen Tönen wirklich eine Aussage zu treffen fasziniert mich mehr als ungerade Rhythmen über dreißig Trommeln und Cymbals zu verteilen. Ich bin heute großer Fan von Drummern wie Ahmir Thompson, Questlove eben oder auch Abe Laboriel Jr.. Kleine Sets, sparsames Spiel aber Grooves, die für sich sprechen. Nicht, daß ich mich in jeder Hinsicht in diese Kategorie einordne, daran arbeite ich --ständig. Ich möchte Musik machen am Set und darüber hinaus, das ist mir persönlich wirklich wichtig. Daß ich mich nicht verstellen zu muß für den Job und so spielen darf, wie ich es fühle, das ist ein Luxus und großes Glück für mich. Gerade als Sideman ist das keine Selbstverständlichkeit -- ‘

Gibt es auch Vorbilder aus unseren Breitengraden?

»Klar, Wolfgang Haffner ist schon was Herrliches, der hat einfach diesen Groove und spielt sparsam aber effektiv. Es geht eben auch so und dem Ego schadet es sicher nicht! ‘

Du hast Schlagzeug und Piano studiert an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover. Was hat dir das Studium gebracht?

»--viele Jobs und Kontakte. Ich wohnte damals in einem Haus, wo gleich mehrere Musiker WGs untergekommen waren und da spielte Musik natürlich rund um die Uhr eine Rolle. Man lernte nahezu täglich jemanden kennen und ich hatte Jobs im Theater, in Top Fourty Bands, habe in Musicals getrommelt uvm. Schon im zweiten Semester hatte ich genug Gigs im Kalender, was für einen achtzehnjährigen der gerade zuhause ausgezogen ist natürlich grandios ist, daß ich an der Schule immer mehr in Erklärungsnot geriet und dann letztendlich das Studium beendete. Ich will`s nicht auf die Schule schieben, aber es ging irgendwie von allein in eine Richtung, die sich einfach richtig angefühlt hat für mich. «

Und nie wider mit Existenzängsten zu kämpfen hattest?

»Doch sicher, immer mal wieder, wenn der Januar oder Februar recht mäßig anlief. Jeder hat das sicher immer mal wieder und das wird sich bis ich achzig bin auch nicht ändern. Dann denkt man schon mal ˝hätte ich bloss auf Vater gehört und fertig studiert. Aber dann klingelt das Telefon, der nächste Gig ist gebucht und die Gedanken sind komplett woanders. Bereut hab ich’s bis heute nicht und als Musiklehrer oder so hab ich mich ohnehin nie gesehen. Solche schlechten Momente hat man immer wieder über die Jahre und da gewöhnt man sich dann auch daran.
Jetzt -mit Familie- ist das wieder eine neue Herausforderung und mir fällt der Spruch eines Kumpels aus Chile ein. Der sagte immer ˝Kinder kommen mit einem Brot unterm Arm auf die Welt˝. Im Fall meiner Tochter stimmt das schon. Als sie kam, wurde »Männersachen« mit Roger Cicero zum Erfolg und seitdem geht es ab. Daher mache ich mir keine Sorgen, gebe ihm Recht und hoffe es bleibt so.Momentan bin ich darum froh mal zuhause zu sein. 2006 und 2007 waren schon heftig, was die Arbeit betrifft und da genieße ich gerne mal ein ruhiges Zuhause. ‘

Wo du dich dann auf den nächsten Job vorbereitest?

»Das läuft schon seit einiger Zeit eher in den Hotelzimmern während einer Tour ab oder an Off Days, die man häufig in fremden Städten verbringt. Da höre ich mich dann in die Musik rein, die ansteht, schreibe mir Leadsheets oder machen Notizen, wenn es notwendig ist. Zuhause möchte ich meine Zeit lieber mit der Familie genießen. Dieses Jahr ist ja bereits einiges für Roger Cicero gebucht und es kann durchaus noch heftiger werden, wenn der Erfolg beständig bleibt und wächst. Die Dimensionen die es angenommen hat, sind schon immens, damit hat glaube ich keiner gerechnet im Voraus. Für mich ist es irgendwie immer noch die alte Band mit den Arrangements von Lutz in kleinen Clubs. ‘

Wobei der Erfolg von Tok Tok Tok ja auch stetig zunimmt!

»Und die Band ebenso familiär miteinander umgeht wie es bei Roger der Fall ist. Als Morten mich anrief, ging mir schon die Düse, da ich ihn kannte, er auch gut Schlagzeug spielt und mir nicht so richtig bewusst war, inwieweit sein Konzept mit Schlagzeug aufgehen würde. Aber es klappt prima und ich kann mich gut einbringen. Bei Konzerten kann ich zwar mehr anbieten und die Zügel in die Hand nehmen, aber das Songwriting ist –manchmal mehr „Pop“ als bei Roger Cicero und Morten legt schon Wert darauf, dass ich mich an seinen Vorgaben orientiere. Er behält sich die letzte Entscheidung vor. Im Laufe einer Tour spielt man sich aber frei und das genieße ich dann, da es einfach eine tolle Abwechslung für mich ist. ‘

Hast du denn noch andere, feste Projekte neben diesen beiden Bands?

»Ich versuche möglichst noch weiter im Studio zu arbeiten, wenn der Terminplan es zulässt. In den letzten Jahren hat die Studioarbeit für mich zugenommen, was ich erstaunlich fand, da ich immer davon ausging das ohnehin das meiste programmiert wird. Aber einige Produktionen haben den Vorteil eines Menschen am Instrument erkannt und buchen mich für alle möglichen Produktionen. Dann hatte ich das Glück mal den Ralf Gustke in einem Schweizer Studio zu vertreten und da wird wirklich gut gearbeitet. Es wird viel christliche Musik produziert, welche interessanter und abwechslungsreicher ist als man vermuten könnte. Wenn ich kann arbeite ich viel mit dem Bassisten Mark Ebermann, ein sehr guter Musiker. Ich habe über die Jahre auch gelernt den Click Track zu genießen, -- was natürlich von Vorteil ist. Man wird nicht gleich nervös wenn die rote Lampe angeht, spielt relaxter und kann sich Kraft und Dynamik perfekt einteilen. Natürlich war das nicht immer so, aber der Job mit Right said Fred hat mir in dieser Hinsicht sehr geholfen. Da liefen so viele Loops und Sequencer mit, dass es nicht anders ging und heutzutage mag ich den Click nicht missen, er ist mein verlässlicher Partner.
Aber um zur Frage zurück zu kommen, ich arbeite auch an meinem Soloalbum, hoffe es demnächst endlich zu veröffentlichen. Eigentlich ist es schon nahezu fertig, wurde über einen Zeitraum von fast sieben Jahren aufgenommen und daher ist jetzt mal Zeit es herauszubringen. ‘

Das wäre ja dann nach der DrumSample CD »Drumskills« aus 2001, dein zweites eigenständiges Werk. Welche Musik erwartet uns darauf?

»Drumskills war ja in dem Sinn kein Solowerk, da es sich ja um Samples handelt, die ich aufgenommen habe und die somit jeder verwenden kann. Mein Soloalbum wird im weitesten Sinn ein R&B Instrumentalalbum. Ich habe alles selbst geschrieben und produziert, Keyboards gespielt und programmiert. Es ist jetzt an der Zeit, dass die CD endlich raus kommt. ‘

Komponierst du den ansonsten noch viel? Immerhin hast du bereits einen Wettbewerb des deutschen Komponistenverbandes und der Paul Woitchach Stiftung in Berlin gewonnen, bist Mitbegründer der Edition Linden Songs und warst mit einigen Titeln bereits in den Charts vertreten.

»Momentan habe ich nicht mehr so die Zeit zum komponieren. Aber ich habe lange mit Ulle Rode, dem Gitarristen von Rosenstolz regelmäßig und intensiv gearbeitet. Wir hatten ein kleines Studio, nichts Dolles aber es reichte um eigene Ideen umzusetzen, die wir auch angeboten haben. Right said Fred oder Marlon gehörten zu unseren Klienten. Wir haben wirklich querbeet geschrieben von Schlager bis Werbejingles war da alles bei und das war auch eine gute Lehrphase. Komponieren verändert deine Einstellung zur Musik, es verändert dein Herangehen an Songs und am Ende auch dein Spiel. Mir hat diese Zeit sehr viel gegeben. Daher liebe ich es auch -- heute die unterschiedlichsten Stilistiken zu spielen. Ich war z.B. mit Bonita im Studio aber auch mit der Punk Band Gigantor, die -- in Japan angesagt sind --. Es ist einfach geil all diese Dinge noch neben den festen Bands machen zu können und ich hoffe das auch beizubehalten. ‘

Wie kam es den überhaupt 2001 zu der Sample CD?

»Das war gar nicht meine Idee und ich denke ich würde es heute auch nicht mehr machen. Ich hatte das Angebot und es gab ein kleines Budget, was man auf der Produktion auch stellenweise hört. Zum einen war die Qualität nicht wirklich gut und zum anderen arbeite ich ja gerne im Studio mit anderen Musikern, habe mir also im Prinzip mit der Sample-CD einen hausgemachten Konkurrenten geschaffen. Aber wie heißt es so schön, ˝er war jung und brauchte das Geld˝. --Wie gesagt habe ich ohnehin das Gefühl, das Musiker die live spielen können wieder gefragter sind im Studio. Perfektion im Sinne von ‚steril’ ist nicht mehr das A&O vieler Produktion, der Faktor Mensch wird der Maschine gegenüber bevorzugt, was gut ist. Als ich vor einigen Jahren, so Anfang 2000 unbedingt mehr Studiojobs spielen wollte, fühlte sich das anders an für mich und das hat sich in den letzten zwei Jahren definitiv geändert. --

Das Gespräch wird nun von Bandkollegen unterbrochen, die gerade das Catering eröffnen. Es laufen Smalltalks und man hat das Gefühl als hätten sich die Musiker lange nicht gesehen, dabei hatte Roger Cicero erst am Vorabend einen Gig und man war gemeinsam nach Köln gereist. Auch das spricht für eine tolle Atmosphäre innerhalb der Truppe, die de Hinweis, das heute gefilmt und aufgezeichnet wird recht gelassen hinnimmt. Matthias hat inzwischen Saft und Kaffe geholt und nun geht’s weiter.

Hast du vor mit deinem Soloalbum auch auf Tour zu gehen, mit eigener Band?

»Eigentlich habe ich die Platte ja für einen Freund komponiert und wäre schon gerne auf einer anstehenden Tour dabei (Oleg Rovner - ROOL) wird also mit dem Material touren und ich gehe mir das dann gerne anschauen. Die nächsten beiden Jahre werde ich persönlich wohl rein zeitlich kaum dazu kommen, eine eigene Band aufzubauen. Aber vielleicht klappts ja doch – mal schau’n. Ich habe auch unterwegs schon wieder reichlich Material für ein zweites Album erarbeitet. Und ich hab echt Lust direkt ein zweites Album zu machen, ohne dafür wieder sechs, sieben Jahre zu benötigen. ‘

Wie bist du überhaupt auf die Idee gekommen Musiker zu werden und dein Geld als Drummer zu verdienen?

»Mein Vater hast mich immer mit zu Blueskonzerten genommen, in Clubs und auf Festivals. Da hat mir dann mal ein Trommler ein Paar Stöcke geschenkt und das war der Einstieg. Kein traumatisches Erlebnis, einfach Interesse am Instrument und der Musik. Das war es eigentlich. Ein Schlagzeug hat es jedoch nicht direkt gegeben, das hat noch einige Zeit gedauert. Mit acht Jahren bekam ich dann jedoch Unterricht und später hatte ich in Hannover Unterricht, eigentlich bei einem Lehrer, bis zum Studium. Der hatte einen klassischen Background und war manchmal schon -- hart zu seinen Schülern. Ich hatte z.B. eine recht lange Anfahrt zum Unterricht, kam aus einem Vorort. Wenn ich dann seiner Meinung nach nicht intensiv genug das Material der letzten Stunde geübt hatte, trat ich fünf Minuten nach der Ankunft bereits den Rückweg an, --. Also habe ich geübt, um mir diese Erlebnisse zu sparen; und so auch ganz gut was gelernt. ‘

Was hattest du dir vom Studium erhofft für dich persönlich?

»Eigentlich nicht viel. Ich war davon ausgegangen, dass ich weiter Unterricht erhielt, etwas intensiver und umfangreicher eben, mit Dozenten die einen auch schon mal in den Ar... treten, aber ansonsten alles wie vorher weiter ginge. Recht blauäugig im Prinzip. Von Freunden habe ich auch gehört das es ein solches Studium sogar geben soll aber bei mir verlief es halt anders. Dazu kamen all die Kontakte, mein mangelndes Interesse an der ganzen Pädagogik innerhalb des Studiums, was mir eben nicht gefallen hat. Ich habe zwar damals auch häufig Unterricht gegeben, hatte einige Schüler, sah dies jedoch nicht als meine Berufung an. Für mich ging das Studium zu sehr in diese pädagogische Richtung und dann hat es sich ja auch Gott sei Dank erledigt. Das klingt jetzt härter als ich es meine, jedoch ist meine Berufung – Musiker -nicht Lehrer- und ich bin mit dem was ich bis jetzt erreicht habe vollkommen zufrieden und glücklich. Ich mache genau das was ich mir immer erträumt habe, ich gehe gerne auf Tour, der Zusammenhalt ist super und besser kann es wohl kaum noch werden. So etwas erreicht man nicht oft im Leben.--.«

Wie wichtig ist für dich dein Drumsound, sowohl Live als auch im Studio?

»Er ist mir über die Jahre immer wichtiger geworden. Nicht dass ich früher nicht dafür interessiert hätte aber ich bin eher ein stimmfauler Typ und denke es ist nicht notwendig Stunden mit dem Tunen eines Sets zu verbringen. Man sollte sich eher Gedanken darüber machen wie es im Raum selbst, oder über die PA klingt. Ich persönlich bevorzuge tiefere Sounds, mit gutem Bassanteil. Wenn das dann mit dem Set leicht von der Hand geht ist mir das natürlich recht. Im Studio arbeite ich intensiver am Drumsound als dies bei Gigs der Fall ist. Ich finde jedes Instrument, sprich Trommel, hat ihren ultimativen Klang an einem Stimmpunkt. Den versuche ich rauszufiltern. Im Studio habe ich daher immer mehrere Trommeln dabei um möglichst abwechslungsreich zu agieren. Mein neues Tama Starclassic Hyperdrive Kit ist z.B. solch ein Set, was Dank der kurzen Toms mühelos zu stimmen ist und immer fett klingt. Zudem kommt es meiner Aufbauphilosophie zu Gute, da ich die Toms immer flach über der Bassdrum spiele und die Becken sehr tief habe, was mit kürzeren Toms natürlich wesentlich einfacher ist. Und Becken habe ich ja auch nicht wirklich viele. Meist eine HiHat und drei Cymbals, die je nach Gig variieren und jetzt aus der Meinl Byzance Serie kommen. Diese Becken sind durchweg in allen Serien unglaublich variabel und machen es mir sehr leicht, immer den richtigen Sound zu haben. Für mein Groove-betontes Drumming ist das eine ideale Kombination. ‘

Kommst du den bei deinem Terminplan überhaupt noch zum Üben für dich selbst?

»Wenn, dann im Hotelzimmer. Dann übe ich Rudiments am Pad. Am Set eigentlich nur vor Soundchecks, wo ich mich mal eine halbe Stunde hinsetze und ein wenig spiele. Aber das nervt meist die anderen oder die Crew beim Aufbau, daher kommt es eher selten vor. Ich hätte schon gerne etwas mehr Zeit zum reinen Üben aber denke, der Tag wird kommen, wo ich sie mir einfach nehme. Jetzt genieße ich das, was gerade passiert in vollen Zügen und hab schon genug damit zu tun, das alles unter einen Hut zu bekommen. Ich hab ja reichlich Abwechslung, der Adrenalinspiegel ist immer noch auf »AN« -gestellt und wenn man eine Punkplatte am Tag vor den nächsten Big Band Gigs einspielt, ist das auch eine Art von Übung! ‘

Ein abschließender Satz noch?

»Ich bin ein total glücklicher und zufriedener Mensch und alles was passiert ist hat dazu beigetragen, wofür ich sehr dankbar bin. ‘

Dann wollen wir hoffen das dies so bleibt und wünschen dir ein tolles und erfolgreiches 2008. Und vielen Dank für das nette Gespräch!

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Drums & Percussion 02/2008Matthias „Maze“ Meusel (Sticks, Interview 01/2007)
» amazing grooves «


Brilliante Grooves finden immer ihren Raum. Und „Maze“ ist ein echtes Multi-Groove-Talent, jemand der die ganze Bandbreite zwischen Jazz, Schlager, Pop, Crossover und Punk nicht nur kennengelernt, sondern dort auch mit großem Erfolg seine Spuren hinterlassen hat. Drei Jahre feuerte er seine Beats für die 90th Popper „Right Said Fred“ ab (I`m too sexy, Don´t talk just kiss), doch auch Künster wie Randy Crawford, Till Brönner, Marlon, Konstantin Wecker, Mousse T. uvm. füllen seine Credits. Ende 2006 war Matthias „Maze“ Meusel mit dem German Jazz Award Winner und Acoustic Soul Act „Tok Tok Tok“ unterwegs und spielte die „Männersachen“ Tour des swinging Big Band Stars Roger Cicero. Ein Solo Album geht demnächst ebenso an den Start und für 2007 ist sein Terminkalender mehr als brechend voll. Wir trafen Maze während der Tok Tok Tok „Soul To Soul“ Tour in Bonn und wollten einmal wissen, welches Geheimnis er hütet, das diesen sehr gefragten Drummer so unentwegt antreibt ...

Wie vieles was mit Kunst zu tun hat, läßt sich auch die Passion fürs Schlagzeugspielen nicht unbedingt erklären. Sowas ist in einem drin und irgend wann verselbständigt es sich. Meine allererste bewußte Begegnung mit einem Schlagzeuger hatte ich im Alter von sechs Jahren. Mein Vater nahm mich zu einem Bluesband Konzert mit, ich durfte den Trommler kennen lernen, bekam seine altverranzten Stöcke geschenkt und von dem Moment an spürte ich, dass mein Leben etwas mit Schlagzeugen zu tun haben würde. Ich konnte es einfach nicht lassen ... (lacht). Und heute weiß ich, dass ich kein glücklicher Mensch wäre, wenn ich das nicht machen könnte.

Gab´s in deiner Laufbahn einen Wendepunkt, der dich auf eine erfolgreiche Zielgerade brachte? Ab wann gings bei dir dann richtig ab? Vom Bekanntheitsgrad ... von der wirtschaftlichen Seite ...?

Sicherlich gab´s einen Wendepunkt, aber der hatte nicht unbedingt was mit Bekanntheit oder Geld zu tun. Besser kann ich es beschreiben als Gefühl, das man hat, wenn man nach einem Konzert mit sich und der Musik und dem was da auf der Bühne passiert war endlich mal zufrieden war. Das erste mal dieses Gefühl zu haben ist für mich ein wirklicher Wendepunkt gewesen. Ich sehe Musik eher als übergeordnetes Ganzes und lege den Fokus nicht nur auf´s Schlagzeug. Daher hatte ich auch mit den ganzen Drummerfestivals nie so viel zu tun. Mich alleine dahin zu setzen, eine Drumshow zu machen und hinterher zu erklären, was man sich schon auf hunderten von Videos anschauen kann, das war nie mein Ding. Aber spannend für mich wird’s immer dann, wenn Leute mit mir zusammen Musik machen! Eine Band ...!

Jeder Schlagzeuger träumt ja vom erfolgreichen Drummer-Leben, von Tourneen und all den Big Gigs. Du bist in der glücklichen Lage von einer Tour zur nächsten gereicht zu werden. Wie ist das alles entstanden? Was ist da bei dir in Gang geraten?

Oft sind es einfach wirkliche Zufälle, manchmal auch lustige . Und diese Right Said Fred Geschichte entstand daraus, dass ich mal sechs Wochen lang auf einem Schiff in der Karibik gespielt habe ... jeden Abend Black Music. Right Said Fred waren die Stargäste und haben ihre Playback Show gemacht. Zufälligerweise suchten die gerade eine Band ... das ist einfach passiert ... absoluter Zufall! Drei Monate später haben wir angefangen zu proben und dann gab´s jedes Jahr eine Tour. Durch diese Gigs entstanden wieder neue Kontakte, aber ich hab immer versucht, möglichst unterschiedliche Sachen zu machen, mich in den verschiedensten Styles zu etablieren. Denn jede Szene funktioniert anders und die Kontakte entwickeln sich aus unterschiedlichen Motiven. Wenn man also weitgefächert präsent ist und in unterschiedlichen Welten arbeitet, dann sind die Chancen auf Jobs entsprechend groß. Insofern konnte ich sowohl Jazz spielen – z.B. mit dem Quartett „After Hours“ - war in Big Bands aktiv, in der Schlagerbranche, im Bereich Pop und auch in der Punkmusik. Und das Projekt Tok Tok Tok ist wiederum eine crossover Mischung aus allem.

Ist das der Reiz in die verschiedenen Welten zu springen?

Total! Wenn eine Tour zu Ende ist, freu ich mich immer schon aufs nächste Projekt. Unterschiedliche musikalische Stationen sind natürlich eine wunderbare Herausforderung, allerdings muß ich auch sagen, dass die menschliche Komponente neben der Musik mindestens genauso wichtig ist. Auch eine Schlagertour kann man gut oder schlecht spielen. Wenn ich etwas anpacke, dann auch richtig und ernsthaft. Sonst wird man unglaubwürdig, geht von der Bühne und ist mit sich selbst nicht zufrieden.

Bist du auch verhältnismäßig gut im Studio gebucht...?

In den letzten zwei Jahren wurden die Studioufträge erstaunlicherweise immer mehr. Und ich hab das Gefühl, dass nach den ganzen programmiertem Ästhetiken nun der Human Faktor wieder mehr gefragt ist. Ich bin auch öfters in der Schweiz und dort werden ja viele von den christlichen Produktionen gemacht, bei denen Ralf Gustke ziemlich involviert ist. Ein paar Mal durfte ich ihn im Studio vertreten. Ich war super überrascht, welch interessantes Material dort produziert wird. Üblich war es ja eine zeitlang, dass man vier Takte spielt und das war´s dann, weil der Rest vom Rechner erledigt wird. Aber dort in der Schweiz wird so gearbeitet, wie man sich die Studiowelt immer vorgestellt hat ... ganze Songs spielen, Feeling reinbringen, ausprobieren usw.

Kannst du dich an deinen ersten bezahlten Studiojob erinnern? War es ein Aha-Erlebnis oder das Grauen?

Es war verdammt schwierig aber letztlich ein Aha-Erlebnis mit Langtzeitwirkung. Zuvor hatte ich nie zum Klick gespielt – was ich heute unfassbar gerne mache – und entsprechend war es das erste Mal im Studio eine Katastrophe. Das war eine Rockabilly-Nummer und eigentlich wollte ich danach nie wieder ins Studio ... (lacht). Aber diese Erfahrung war ein Ansporn und daraufhin hab ich mich zusammengerissen und angefangen Dinge bewußt vorzubereiten und auf die Studioqualität hin zu überprüfen, zu üben usw.

Wieso spielst du gerne zum Klick? Weil es der zuverlässige Partner ist? Irgend wann will man nicht mehr ohne?

Den Klick schätzen gelernt hab ich während der Right said Fred Tourneen. Das ganze Programm lief parallel zu Sequenzern und alles inklusive Licht ging auf die Maschinen. Durch den Klick konnte ich mit einer guten Timing Verlässlichkeit arbeiten und auch schon mal Tagesformen kompensieren.

Welchen Klick-Sound bevorzugst du?

Im Studio sind es Shaker oder schon mal Loops – sofern sie passen. Das mit den Loops hab ich eigentlich nicht so gerne, weil man doch etwas eingeschränkt ist und der Loop einen in eine bestimmte Richtung zwingt. Ansonsten ist es die Glocke auf Zwölf.

Zum Klick zu spielen heißt auch mit der Konzentration zu haushalten und eine Balance zwischen Klick, eigenem Feel und der gesamten Band zu finden, oder?

Das mit dem Klick ist oft eine Frage von Sound und Lautstärke. Bei Unsicherheit macht man sich den Klick gerne zu laut, weil man meint, er habe Priorität. Aber das stimmt natürlich nicht. Am schönsten für mich ist ein Gig, bei dem ich den Klick gar nicht gemerkt habe. Der Klick hilft eine straighte Grund-Time zu finden. Und dadurch entwickelt man erst die Energie, um die es am Ende geht. Es gibt natürlich auch Bands, bei denen es gewünscht ist mit der beweglichen Time zu arbeiten. Bei den Roger Cicero Gigs läuft natürlich kein Klick, das wär bei einer Big Band absurd. Sonst klingt die ja wie ein Casio Keyboard ... es soll ja schließlich swingen...! Grundsätzlich aber macht der Klick Sinn bei solchen Produktionen, die mit programmierten Elementen arbeiten. Und da macht´s auch Spaß, weil man besondere Sounds auf die Bühne bringen kann, was ohne Rechner und Klick nicht funktionieren würde. Aber der Klick darf niemals ein Diktator sein!

Wie schaffst du es diese vielen verschiedenen Projekte wie Tour, Showcase, Studio etc. auch mental zu verarbeiten. Denn du hast ja auch Vorbereitungsphasen, oder?

Oft geht das nur unterwegs, im Hotel, an einem Off Day usw. Da muß ich dann öfters mal nachsitzen und Sachen fleißg rausschreiben ... (lacht).

Nimmst du jedes Mal eine andere Haltung an, wenn du mit unterschiedlichen Acts arbeitest? Oder bleibst du immer der Maze?

Am Ende des Tages ist man sowieso wie man ist. Jede erzwungene Änderung der eigenen Haltung kommt gezwungen rüber und wirkt unglaubwürdig. Bei Nena hatte ich mal ein lustiges Erlebnis, denn sie steht drauf, wenn ihre Band richig abgeht und alle tierisch Alarm machen. Aber so bin ich einfach nicht. Ich hab mich Jahre darauf konzentriert, meine Haltung am Schlagzeug zu überprüfen und mich nicht übermäßig am Set zu bewegen. Denn ich finde, dass man die Energie, die dabei draufgeht, lieber woanders investieren sollte. Das Tierisch-Welle-Machen ist also nichts für mich ...

... ja aber was sagte Nena dazu?

Nun, die nimmt alles ganz genau und schaute sich damals auch die TV Proben analytisch an. Natürlich war es ein total skurriles Bild, weil alle am Headbangen waren und ich wie ein Stein hinterm Schlagzeug saß. Und sie meinte dann, ich solle doch mal Gas geben ... aber was sollte ich sagen? Ich versuchte zu erklären, dass das bei mir nicht funktioniert von wegen der Glaubwürdigkeit. Aber das muß jeder für sich selbst rausfinden, welche Haltung man einnimmt. Das ist bei jedem anders und jemand, der da wie wild zappelt, der kann genauso gut grooven wie jemand der eher still sitzt. Und bei Abe Laboriel Jr., der ja nun auch wild ist, würde niemand sagen, dass da am Groove was fehlt.

Haben dich bestimmte Trommler besonders fasziniert? Typen die man beobachtet?

Natürlich! Abe Laboriel Jr. – das Monster - und Questlove – also Ahmir „?uestlove“ Thompson, Drummer der amerikanischen Hip-Hop-Soul-Funk Band „The Roots“ ... den find ich hammermäßig ..! Klar hab ich auch Dave Weckl und Dennis Chambers im CD Regal, aber interessanter fand ich immer die ganzen Erykah Badu Sachen oder auch Voodoo von D`Angelo. Mich hat´s immer begeistert, wenn jemand mit wenig Noten eine große Aussage schafft. Ähnlich empfinde ich das bei Abe Laboriel jr auch. Ich fand es schon immer am geilsten mit wenig Noten viel zu sagen. Da beginnt für mich Musik am Schlagzeug, wenn man für den Song an sich spielt und nicht für sich selbst, oder um irgend etwas zu beweisen. Auf der Bühne geht es nun mal nur um Musik.

Du spielst Premier Drums. Kann man sagen, dass diese Drums einen typischen Sound machen?

Sagen wir mal so, der Ton kommt doch eigentlich immer aus der eigenen Hand. Dennoch haben die Premier Drums etwas eigenes, das sich besonders im leichten Tuning zeigt. Ich bin – zugegeben - nicht so ein Fleißiger, was die ganze Stimmerei angeht. Da wollte ich mich nie lange mit aufhalten und immer ein Set haben, das ohne lange stimmen zu müssen, einfach gut klingt. Und bei Premier geht das. Ich glaube es liegt daran, dass die Kessel im Durchmesser etwas enger gebaut sind, so dass der Fellring außen den Kessel nicht berührt. Da gibt’s also kein verklemmen und verziehen. Daher sind die Trommeln sehr leicht und unkompliziert zu stimmen. Außerdem hab ich mir meine Instrumente nach den Kriterien der Stabilität und Langlebigkeit ausgesucht. Der Deal mit Premier die ja ihren deutschen Vertrieb - genau wie Istanbul - auch noch direkt bei Musik Wein in Hannover vor meiner haustür haben, ist noch recht frisch und so ein Endorsement ist ein echter Luxus von dem man lange geträumt hat.

Cymbals kann man nicht tunen ... wie gehst du da vor in der Selektion?

Das ist schon sehr schwierig und die Suche hört nie auf. Im Moment spiel ich Istanbul Cymbals, habe alle möglichen Serien zuhause und find es total spannend quer durch die Serien die Cymbals zu mischen, um Sound-Kombinationen zu finden. Die Cymbals sind enorm flexibel, sie klingen im Jazz klasse und haben überraschenderweise sogar in der Punk Musik noch was zu sagen.

Bei Tok Tok Tok spielst du auffällig fein und mild klingende 12er Hi-Hats. Was sind das für besondere Modelle die auch etwas ungewöhnlich matt-rau aussehen?

Ja, die sind aus der Istanbul Efes Serie. Aber ich bearbeite meine Becken gerne selber nach ... (lacht) .. so auch die Hi-Hats ... da gibt’s doch diese Drahtbürsten die man auf die Bohrmaschine machen kann ...

Du willst doch nicht sagen, dass du da mit Bohrmaschinen Hand anlegst ...?

Doch doch! Die werden die mit der Drahtbürste abgebürstet und dann leg ich die in den offenen Kamin in die Glut und dort werden sie ein paar mal gewendet. Natürlich ist dann alles dreckig, die Rillen sind zu, aber die klingen danach etwas reifer oder wie schon ein paar Jahre gespielt. Und das find ich geil, wenn alles vom Finish und vom Sound dunkler wird. Vor allem bei Ride Becken ist der Effekt tierisch gut, weil das ganze scharfe Zahnschmerzenobertongeklirre dadurch weggeht. Und so richtige schreiende Metal Becken hab ich nur für den Notfall zuhause. Denn das ist nicht so meine Welt. Becken die nach Keyboard Sample klingen müssen halt bearbeitet werden ...

Wechselst du je nach Gig und Genre auch die Drumsticks? Denn hier bei Tok Tok Tok spielst du sehr schlanke Modelle...?

Ja, der Stick ist das einzige was ich je nach Situation austausche und hier sind´s heute 11A Modelle (lacht)... Nun man muß je nach Räumlichkeit, Musik, Raumakustik und Veranstaltungsart seinen Sound entsprechend gestalten. Und bei Tok Tok Tok funktioniert kein Metal Stick. Normalerweise spiel ich 5A oder 5B.

Von dir wird´s demnächt ein eigenes Album geben. Was dürfen wir erwarten?

Es wird groovige Instrumentalmusik in Richtung R&B sein. Auch einige Anleihen aus der artifiziellen Minimal Music sind zu hören, aber es wird keineswegs düstere oder melancholische deprimäßige Elemente enthalten. Denn ich steh drauf, dass man sich eine Platte auch zum Frühstück anhören kann und man danach das Gefühl hat, dass der Tag schön wird. Sechs Jahre arbeite ich schon an diesem Projekt und ich freu mich sehr, wenn das Album hoffentlich in diesem Jahr erscheint. Ich hab immer schon gerne Musik geschrieben.

Und davon auch einiges mit Erfolg, du warst ja mit Kompositionen für andere Acts teils auch in den Charts vertreten, oder?

Stimmt, und das ist das Ergebnis meiner jahrelangen konzentrierten Studioarbeit. Damals hatte ich zusammen mit Ulle Rode - dem Gitarristen von Rosenstolz - ein kleines Studio betrieben, was für uns beide eine Keimzelle für Songwriting war. Teilweise arbeiteten wir 18 Stunden am Stück, dann ein bißchen Schlaf und weiter gings. Für das letze Album von Marlon haben wir geschrieben und für Right Said Fred haben wir auch ne Menge abgegeben. Teilweise haben wir sogar nach festgelegten Themenvorgaben gearbeitet - also in der einen Woche nur Schlager, dann nur Werbemusik usw. Auf mich wirkt das Schreiben von Musik mindestens genauso beeinflußend wie das Beschäftigen mit Vorbildern. Es verändert das eigene Spielen enorm.

Weil man durch Komponieren einen ganz anderen Horizont hat?

Klar! Und schon beim Drumprogramming geht man ja hundertprozentig songdienlich vor und nicht bloß mit der Vision eines Trommlers. Das stärkt die eigene Kompetenz des songdienlichen Schlagzeugspielens. Man erkennt plötzlich den Bogen eines Songs und diese Erfahrung kann ich auf die Ebene des Schlagzeugspielens transportieren.

Worauf kommts ins Sachen Drums insbesondere bei Tok Tok Tok an? Schließlich hat die Band jahrelang ohne Drums gearbeitet ...?

Ich halte es für wichtig, die Farbe die die Musik im Grundsatz immer hatte, so erkennbar wie möglich zu halten. Gleichzeitig finde ich es genauso wichtig das Publikum zufrieden zu stellen, das schon sieben Platten vorher den Tok Tok Tok Sound ohne Schlagzeug geliebt hat. Es war ja immer das besondere an der Musik, dass Morten - der Saxophonist - den rhythmischen Part mit Mouthpercussion gefüllt hat. Dadurch hob sich die Musik immer deutlich ab. Aber dann kam der Anruf, ob ich die aktuelle Platte „From Soul To Soul“ nicht spielen wolle und ich war sehr verwundert, dass man auf das eigentlich andere plötzlich verzichten wollte. Doch Morten und Sängerin Tokunbo Akinro wollten den Tok Tok Tok Sound nach nunmehr sieben Alben mal anders gestalten, ein neues Konzept entwickeln und den Sound mittels Schlagzeug verändern. Natürlich war ich der Kandidat, weswegen das Projekt potenziell auch hätte scheitern können ... weil Schlagzeug vielleicht doch gar nicht funktioniert. Aber die Tour war super, alle waren begeistert!

Deine Vorsicht um das erkennbar lassen eines Sounds, einer Band-Farbe, gilt dies auch für alle anderen Projekte die du spielst?

Man muß die Geschichte des Künstlers kennen um zu verstehen wie er arbeitet und worauf er sich inhaltlich bezieht. Diesen Respekt sollte man aufbringen.

Wie wärs mit ein paar Statements zu manchen Künstlern mit denen du gearbeitet hast....? Zum Beispiel Bill Ramsey ...?

Ein klasse Typ! Ein echter deutscher Klassiker.

Mousse T.?

Eine Superzeit in seiner Band! Da kann man lernen Housemusik zu spielen.

Melva Houston?

Melva war Backgroundsängerin von Isaak Hayes, Wilson Picket, Otis Reddng, den Platters uva., sowie Haus- und Hofsängerin von Stax Records. Wir haben in Deutschland wunderbare Motown-mäßige Konzerte gespielt. Melva ist eine altehrwürdige Lady an die 70, die einfach tierisch Feuer im Arsch hat...! Mit solchen Leuten Musik zu spielen zählt zu den ganz besonderen Momenten.

Roger Cicero?

Das Thema Cicero ist wirklich ein kleines Wunder, weil der Erfolg einer swinging Big Band in Deutschland nicht gerade zur Tagesordnung zählt. Roger hatte ein Management in Hamburg und dort entwickelte man die Idee, eine Swing Platte auf deutsch zu machen... „Männersachen“. Roger ist einer der großartigsten Sänger, die man begleiten kann - virtuos, musikalisch, alles im Griff – ein Supermensch – und das schon seit vielen Jahren.

Bei so unterschiedlichen Dingen die du erlebt hast, gibt’s doch sicherlich ein Ereignis, das man nie vergißt, oder?

Für mich war´s ein Kindheitstraum mal Stadiongigs zu spielen. Ich wollte wissen wie sich das anfühlt. Und mit Right Said Fred war es dann soweit, wir spielten damals im Dreier-Package mit Yvonne Catterfeld und Nena. Doch die Ernüchterung kam recht schnell, denn die Distanz zum Publikum ist einfach gewaltig groß. Da kann man auch alleine spielen. Heute empfinde ich es so, je näher dran, desto besser!

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Drums & Percussion 02/2008
Sticks 02/2007

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Drums & Percussion 02/2008Liquid Drums

(...)
In Drums_B werden alle fündig, die einen virtuos spielenden Drummer suchen. Hier ist alles fertig und braucht nur noch ausgesucht und getriggert werden. Herr Meusel (oder dürfen wir “Maze” sagen?) beweist eine große Bandbreite an stilsicherem Drumming. Die grooves kommen sehr lebendig daher; Highlights für Freunde des “echten” und authentischen Schlagzeugspiels sind sicherlich die Samba und die Jazz-Abteilung. In letztgenannter Rubrik wird sehr viel mit den Besen gezaubert, vor allem bei den langsameren Gangarten. Auch die Fusion-Abteilung weiß in ihrer Lebendigkeit und Spielfreude zu überzeugen. In der Kombination aus Audio-Qualität, professioneller Spielweise, Synchronisierbarkeit und Editierbarkeit hat man mit den Liquid Drums ein einzigartiges neues Werkzeug in der Hand den wir das Prädikat: “So bisher noch nicht gehört” gerne verleihen.

Die Lebendigkeit und Professionalität der eingespielten Loops stellen eine Bereicherung dar. Hier ist insbesondere die Hi-Hat-Arbeit hervorzuheben, die selbst schlagzeugkundige Tastenprofis so authentisch aus keiner Sample-Library herausholen dürften. Bei aller Begeisterung sollte nicht übersehen werden, dass gerade die schönsten Seiten der Liquid Drums, die Jazz- und Latin-Passagen, auch einen hohen musikalischen Anspruch an den Arrangeur stellen. Sie müssen immer noch in die passende Reihenfolge gebracht und mehr:
stilecht mit dem Rest der virtuellen Band, die da im Rechner schlummert oder outboardmäßig auf ihren Einsatz wartet, zu einem gelungenen Zusammenspiel gebracht werden. Ein guter Drummer verlangt auch nach ebenso versierten Mitstreitern.

Wir haben es hier mit einem professionellen Werkzeug und nicht mit einem Spielzeug-Trommler für schnelle 5-Minuten-Takes zu tun.
(...)

(Musician's Life, Kritik 06.2007)

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Der swingende Frauenversteher
15. Februar 2008 | 08:11 Uhr | Von Hauke Mormann

Er weiß, was Frauen hören wollen, wie sie reden und was sie bei Männern auslösen. Und seine Weisheiten präsentiert er in heiterem Swing und Jazz. Roger Cicero begeisterte gestern Abend die Flensburger in der Campushalle.

"Frauen regier'n die Welt", wusste Roger Cicero schon im vergangenen Jahr, als er nach Helsinki zum Eurovision Song Contest fuhr. Daher war seine Frage ins Publikum der Campushalle auch nicht ungewöhnlich: "Welcher Mann ist heute Abend nicht ganz freiwillig hier?" Der Arm von Robert Birker aus Glücksburg hob sich - besser gesagt: wurde gehoben von seiner Begleiterin. "Wie hat sie dich denn rumbekommen?", fragte Cicero. Die perfekte Einleitung zu seinem Stück "Sie will es nunmal".
Der Entertainer spielte nicht nur für, sondern mit seinem Publikum. Er ging von der Bühne, zog durch die Reihen, schüttelte Hände und sah mancher Zuschauerin bei einigen Texten tief in die Augen. Dafür erntete er am Valentinstag so manche Rose.
Bekannten Titeln neuen Touch eingehaucht
Cicero ließ seine Stimme oft tanzen. Bekannte Stücke seiner beiden Alben "Männersachen" und "Beziehungsweise" bekamen einen ganz neuen Touch, als er einige sonst gradlinige Töne schwingen ließ, verkürzte oder verlängerte. Als Cicero bekannte, der wohl größte Prince-Fan überhaut zu sein und überraschenderweise einen Titel des amerikanischen Popstars schmetterte, waren die Zuschauer aus dem Häuschen - wer hätte gedacht, dass der 37-Jährige so hoch singen kann?
Nach der Pause ging es richtig ab: Als Matthias "Matze" Meusel sein Schlagzeug-Solo schmetterte, waren die 1800 Hallenbesucher vollkommen aus dem Häuschen und ließen die Tribünen beben. Ob "Murphys Gesetz", "Wenn sie dich fragt..." oder "Alle Möbel verrückt" - die Zuschauer hielt es nicht mehr auf den Stühlen. Nach dem Titel "Kein Abendessen bei Lutz und Tina" versicherte Cicero, dass mit diesem Stück nicht sein Pianist Lutz Krajenski gemeint sei. "Er ist ganz ehrlich ein toller Gastgeber."
Vom "Gute-Laune-Swing" zur Gänsehaut
Für Gänsehaut sorgte der Berliner Sänger, der mittlerweile in Hamburg wohnt, mit dem Abschiedslied an seinen 1997 verstorbenen Vater: "Ich hätt' so gern noch tschüss gesagt". Die Bühne in schwaches Licht getaucht, einen Scheinwerfer auf sich gerichtet, setzte sich Cicero selbst an den Flügel. Bandleader Krajenski begleitete ihn auf der Hammond-Orgel.
Das Publikum hat den Abend genossen - letztlich auch Robert Birker. "Ich wäre nicht selbst auf die Idee gekommen, mir Karten zu kaufen. Aber ich höre gerne Jazz und finde es gut, hier gewesen zu sein."

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Drums & Percussion 02/2008Swing pur: Roger Cicero kam, sang und siegte - dpa

Lübeck - Zum Schluss hätte er auch einfach das Telefonbuch von Lüneburg runtersingen können, die Leute hätten trotzdem getobt: Roger Ciceros zweiter Auftritt in der Lübecker MuK innerhalb eines Vierteljahres geriet zu einem triumphalen Siegeszug des deutschen Swing. Ovationen im Stehen, lange vor der ersten Zugabe - das hat die MuK lange nicht mehr erlebt.

"Männersachen" heißt Ciceros inzwischen mit Platin geadeltes Album, dessen Songs die Korsettstangen des Konzertes bildeten. Dazu der Grand-Prix-Titel "Frauen regier'n die Welt", Rio Reisers "König von Deutschland" und Klaus Lages "1001 Nacht" - das reichte für einen Abend, der den Männern auf der Bühne ebenso wie den Besuchern davor sichtlich und hörbar Spaß bereitete.

Roger Ciceros Erfolgsrezept ist dabei eigentlich recht einfach: Man nehme kluge und spritzige deutsche Texte, eingängige Melodien, eine starke, gut ausgebildete Jazz-Stimme und "die beste Band der Welt" (mit einem grandiosen Matthias Meusel am Schlagzeug!) - dann kann nichts schief gehen. Bei Roger Cicero passte das alles perfekt zusammen, und so war es bei Licht besehen keine Überraschung, dass schon nach wenigen Momenten die Luft brannte. "Ich komme wieder, so oft ihr wollt!", rief der Hamburger zum Abschied ins Publikum. Nehmen wir ihn beim Wort. nes

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Roland MEINL Musikinstrumente

Mit unglaublicher Power, Dynamik und viel, viel, viel Swing zeigte Maze Meusel sein ganzes Können beim Tourneeauftakt in Bayreuth. Für diese Tournee hat sich Maze neben den pefekt passenden Meinl Byzance Jazz Cymbals, für das neue Starclassic Performer B/B Hyper Drive entschieden. Natürlich hat er auch einige Meinl Percussion Instrumente in sein Set integriert und zusätzlich in der gesammten Band verteilt, damit sie ihn von Zeit zu Zeit trommelmäßig unterstützt. Wer also ein Fan von Swing und Bigband Sound ist und dabei einen tollen Drummer auf die Finger schauen will, der sollte sich eines von Roger Ciceros Konzerten anschauen.

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Review: Roger Cicero Live in Rostock

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Zweite Halbzeit: Das Feuerwerk der Highlights
Nach etwa 20 Minuten Pause ging es in die zweite Halbzeit, und die Highlights häuften sich. Absolute Begeisterung gab es beispielsweise im Doppeltitel Wenn sie Dich fragt / Der Anruf, das mit einem mehrminütigen Schlagzeugsolo von Matthias Meusel angereichert wurde. Und was für ein Schlagzeugsolo das war: Gespielt, nicht gedroschen. Strukturiert, nicht ausufernd strukturlos ausschließlich improvisiert. Mit schönen Spannungsbögen, so etwa Queen-sche "We will rock you"- Rhythmen mittendrin, die gerade vom Publikum aufgenommen wurden, als Matthias den Rhythmus wieder wechselte und das Publikum ins Leere laufen ließ. Keine hundertmal gehörten "ichwerde- immmmmmmer-laaaangsaaaammmmmmerrrr-iiiicch-werde-immer-schneller-Läufe", sondern interessante Muster, denen man noch länger hätte zuhören wollen. Hätte man die Dezibel im Publikum gemessen, Matthias Meusel wäre auch applaustechnisch der Held des Abends gewesen. Als wir schon dachten, wir könnten nach dem Schlagzeugsolo uns so langsam wieder beruhigen, kam der nächste (positive) Aufreger. Roger Cicero outete sich als Prince-Fan und präsentierte das Prince-Cover How come you don't call me. (... )

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